KI in der Innenarchitektur: Mehr als schöne Bilder
In den sozialen Medien begegnen uns immer häufiger beeindruckende KI-generierte Wohnräume. Mit wenigen Klicks entstehen fotorealistische Visualisierungen, ungewöhnliche Materialkombinationen und vermeintlich fertige Einrichtungskonzepte.
In unserer täglichen Arbeit sieht die Realität allerdings etwas anders aus.
Den größten Mehrwert bietet KI für uns aktuell nicht bei der Gestaltung, sondern bei der Aufbereitung und Strukturierung von Informationen.
Wir nutzen sie beispielsweise für Baubeschreibungen, Produktspezifikationen, Planbeschriftungen, Besprechungsprotokolle oder die Organisation komplexer Projektinformationen.
Gerade bei größeren Projekten spart uns das viel Zeit, die wir lieber in die eigentliche Planung investieren.
Vom Entwurfsplan zum KI-Rendering
Besonders spannend finden wir die Möglichkeiten der schnellen KI-gestützten Architekturvisualisierung.
Anhand einer unserer Badezimmerplanungen möchten wir zeigen, wie wir solche Werkzeuge einsetzen und wo die Herausforderungen liegen.
Am Anfang steht die eigentliche Entwurfsarbeit. Für das Badezimmer haben wir einen detaillierten Plan entwickelt, in dem neben der Raumaufteilung auch Maße, Bewegungsflächen, Materialien und konkrete Ausstattungsdetails festgelegt wurden.


Auf dieser Grundlage entstand anschließend ein dreidimensionales Modell in SketchUp. Es bildet die geplanten Proportionen und die Gestaltung des Raumes ab.
Diese Modellansicht haben wir anschließend mithilfe künstlicher Intelligenz in eine fotorealistische Visualisierung übertragen.

Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Innerhalb kurzer Zeit entsteht aus einer einfachen Modellansicht ein atmosphärisches Bild mit realistischen Materialien und Lichtverhältnissen.
Für erste Entwurfsgespräche oder die interne Ideenfindung ist das ein enormer Fortschritt.
Aber genau hier liegen auch die Grenzen
So überzeugend moderne Bild-KIs mittlerweile arbeiten – sie sind keine präzisen Architekturprogramme.
In unserem Beispiel benötigten wir mehrere Anläufe, bis das Ergebnis halbwegs der ursprünglichen Planung entsprach.
Typische Probleme waren:
• zusätzliche oder fehlende Deckenspots
• falsch platzierte Türgriffe und Scharniere
• veränderte Möbelproportionen
• verschobene Armaturen
• abweichende Fliesenhöhen
• veränderte Raumgeometrien
Besonders deutlich wurde das bei der Dusche: Obwohl unsere Planung einen Fliesenabschluss auf Höhe von Tür und Spiegel vorsah, entschied die KI kurzerhand, den Bereich raumhoch zu fliesen.
Solche Details wirken auf den ersten Blick vielleicht unauffällig, verändern die Planung aber erheblich.
Ein realistisches Bild ist eben noch keine funktionierende Planung.
Welche KI eignet sich für Interior Design?
Mittlerweile gibt es zahlreiche KI-Werkzeuge, die sich für unterschiedliche Aufgaben einsetzen lassen.
Je nach Anwendung unterstützen uns diese Tools bei der Ideenfindung, der Visualisierung unserer Entwürfe oder der effizienteren Bearbeitung alltäglicher Aufgaben.
Zu den bekanntesten gehören:
• ChatGPT: Recherche, Textarbeit, Projektorganisation und erste Bildideen.
• Krea AI: KI-gestützte Bildgenerierung und Bearbeitung vorhandener Visualisierungen.
• Midjourney: Atmosphärische Bildwelten, Materialinspirationen und kreative Gestaltungsideen.
• Adobe Firefly: Bildbearbeitung und Entwicklung unterschiedlicher Designvarianten.
Welches Werkzeug sinnvoll ist, hängt stark von der jeweiligen Aufgabe ab.
Für erste Inspirationen sind die Möglichkeiten beeindruckend. Sobald jedoch exakte Maße, Materialien oder technische Details eingehalten werden müssen, stoßen KI-generierte Bilder weiterhin an Grenzen.
Spart KI Kosten?
Ja – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt.
Wer lediglich eine erste räumliche Vorstellung benötigt, kann mithilfe künstlicher Intelligenz innerhalb weniger Minuten überzeugende Ergebnisse erhalten.
Sobald jedoch exakte Materialien, Möbel, Lichtplanung, technische Anschlüsse oder millimetergenaue Ausführungsdetails gefragt sind, beginnt die eigentliche Planungsarbeit.
Denn gute Innenarchitektur besteht nicht nur aus schönen Bildern.
Sie muss später auch umgesetzt werden können.
Unser Fazit
Wir nutzen KI mittlerweile täglich.
Nicht, weil sie unsere Arbeit ersetzt, sondern weil sie viele wiederkehrende Aufgaben deutlich schneller erledigt.
Dadurch bleibt mehr Zeit für das, was unsere Kunden tatsächlich beauftragen: durchdachte Grundrisse, funktionierende Raumkonzepte, individuelle Gestaltung, Materialkonzepte, Lichtplanung und persönliche Beratung.
KI ist für uns deshalb kein Konkurrent.
Sie ist ein Werkzeug – ähnlich wie CAD-Programme oder moderne Rendering-Software. Ein sehr gutes Werkzeug sogar.
Aber die entscheidenden Ideen, das räumliche Denken und die Verantwortung für eine funktionierende Planung liegen weiterhin bei uns.

















